Puro Chile

Dienstag

Das Wochenende des Nationalfeiertags Chiles ist nun vergangen; geblieben sind der volle Bauch und das Gefuehl, nie wieder im Leben Fleisch essen zu koennen. Heute ist Dienstag, wir alle sind zurueck in der Schule, voller Erzaehlungen des vergangenen Wochenendes. Was darin eine Rolle gespielt hat, laesst sich eigentlich in ein paar Worten zusammenfassen: Wir haben alle uebermaessig viel gegessen; Fleisch vom Grill, chile-typische Bratwurst, Empanadas und Fleischspiesse. Wir haben Drachensteigen gelassen und zu traditioneller Musik Cueca getanzt. Die Fahnen wurden gehisst und die Trachten herausgekramt. Die Autos wurden bepackt, um mit der Familie auf´s Land zu fahren.

Meine Familie hat sich Muehe gegeben, mich moeglichst viel der chilenischen Kultur des Septembers teilhaben zu lassen und vorallem war es auch wichtig, die wenige Zeit, die meine Schwester aus Santiago gekommen war, zu nutzen.

Schon am Freitag in der Schule fand kein regulaerer Unterricht mehr statt, er wurde ersetzt durch ganz unterschiedliche Unterhaltungsbeitraege verschiedener Kurse; eine traditionell-chilenische Oper, Neuinterpretation des Cueca, verschiedene Spiele in Kleingruppen. Diesen Schultag liesen wir ausklingen mit dem ersten “Asado” des Wochenendes; schon nach diesem Fleisch vom Grill war mein Beduerfnis danach gestillt.

Am Abend fand meine letzte Cueca-Stunde statt. In der Woche zuvor habe ich mit meinem Tanzpartner und seiner Mutter eine Stadttour unternommen, um uns die traditionelle Tracht zu besorgen. So erschienen wir an diesem Abend in voller Montur & Frisur der chilenischen Landsleute und verbrachten ihn zelebrierend und Cueca-tanzend.

Mittlerweile ist mir Cueca wirklich ans Herz gewachsen und wenn nun das besagte Datum nicht schon vergangen waere, koennte ich mir gut vorstellen, sie weiter zu perfektionieren.

Den ganzen Samstag genoss ich nichts zu tun, zu lesesn, in der Sonne zu sitzen, die dieses Wochenende schon fast sommerlich schien, und zu entspannen. WIr assen die bekannten Empanadas meiner Mutter, von denen mir schon seit Wochen erzaehlt worden war.  Am Abend begleitete ich einen Freund und Klassenkameraden zum Asado im Haus seiner Freunde, was auf´s Neue hiess, einen Haufen neuer Leute kennen zu lernen.

Am Sonntag, dem besagten 18. schliesslich, veranstalteten wir einen Asado, den ich im Fazit als den Leckersten beurteilen wuerde, bei uns daheim, und ich lies mich mal im Detail darueber aufklaeren, was in Chile vor genau 201 Jahren vorsichgegangen war.

Ich lernte viel Geschichtliches an diesem Wochenende, wo das doch das Lieblingsthema meines Papás ist.

Am sonnigen Nachmittag stiegen wir ins Auto, engzusammengetraengt, die ganze Familie, um zur “Desembocadura” des Biobio´s  zu fahren. Der Ort, an dem der Fluss Biobio, der durch Concepción fliesst und von meiner Schule aus zu sehen ist, ins Meer muendet.

Wir gelangten garnicht erst bis zum Strand, weil die ganze Umgebung eng besiedelt war mit Tagesausflueglern, die ihren Grill ausgepackt und somit ihr Asado mobil gemacht hatten. Stattdessen fuhren wir auf den nahegelegenen Berg, um die Ausicht zu geniessen und dort oben unsere Drachen steigen zu lassen. Wie lange schon habe ich keinen Drachen mehr steigen gelassen! Ich war erinnert an herbstliche Doernbergausfluege und mit meinen Geschwistern hier genossen wir es wie eine Meditation.

Danach war geplant, eine Fonda zu besuchen, Treffpunkte, an denen in diesen Tagen getanzt, gesungen und getrunken wurde. Doch als wir schliesslich wieder im Auto sassen, ueberkam uns alle die Muedigkeit. Wir entschieden uns letztendlich dagegen, denn sowieso hatte meine Familie keine Begeisterung fuer diese Treffpunkte uebrig und der Besuch waere nur meines Kennenlernens wegen erfolgt.

Auf den naechsten Tag hatte ich mich schon seit Tagen gefreut, weil mich eine Freundin aus einer anderen Klasse eingeladen hatte, mit ihr und ihrer Familie auf´s Land zu fahren.

Vom “Land” redet man hier, wie von einer anderen Welt. Und tatsaechlich, der Unterschied, allein von der Bevoelkerung her, ist gravierend. Es gibt jedoch viele Familien der Stadt, die ein zweites Haus auf dem Land haben, in dem sie ihre Wochenenden verbringen.

Am Montagmorgen holte mich die Familie meiner Freundin Daniela ab. Sie hat eine grosse Schwester im Alter Alicias und schon gleich nachdem ich ins Auto gestiegen war, verfiel ich in Nostalgie, weil mich die beiden so an mich und meine Schwester erinnerten. Doch zugleich fuehrte das dazu, dass ich mich ganz schnell heimisch und wohl fuehlte, in der Familie.

Ich genoss es, aus der Stadt rauszukommen! Nach einem Zwischenstopp in einem etwas groesseren Dorf gelangten wir schliesslich nach Rere, wo ich Tanten und dem Onkel vorgestellt wurde. Wir machen uns gleich auf, auf einen Spaziergang einmal quer durch´s Dorf!

Ich genoss die Verruecktheit der Schwestern und fuehlte mich einfach wohl.

Wir kehrten zurueck, genau zur rechten Zeit, um mit den Vorbereitungen fuer den naechsten Asado zu beginnen. Ich frage mich, was sie hier machen, wenn es eine Ferienwoche zum 18. gibt. Wird jeden Tag gegrillt??

Mit dem schweren Fleisch im Bauch kletterte ich daraufhin mit den Maedels auf einen Berg, um unseren Drachen steigen zulassen. Die Stille, die an diesem Ort herrschte, saugte ich gierig in mir auf. Es kann so entspannend sein, auf einem Huegel zu stehen, dort wo der Hund begraben liegt, und einen steifen Nacken zu kriegen, vom staendigen Drachen-Lenken!

Um den groessten Heimkehrer-Stau zu vermeiden, brachen wir schon am fruehen Abend auf, und so reichte es grade noch, ein Weilchen den Frauen des Hauses bei ihren Strickarbeiten zuzusehen. Wahre Kuenstlerinnen!

Im Gesamten habe ich das Wochenende supergut verbracht! Mir gefiel die Stimmung, die allgemein herrschte. Das ganze Land war auf den Beinen, war guter Laune, hat gefeiert, zu Ehren … sich selber! Der Stolz war zu spueren, oder die Zufriedenheit?! Ich weiss nicht was es ist, dieses Gefuehl, diese Stimmung, die ich vom Patriotismus hier erlebt habe. In jedem Falle bewegend und ausgelassen und vereint.

 

Donnerstag

Jetzt neigt sich schon die darauffolgende Woche dem Ende zu und mir fehlen die Kraefte. Ich habe die Tage mit einer Erkaeltung zu kaempfen und so mit den ersten staerkeren Rumoren des Heimwehs. Wenn ich es mir vor Augen fuehre, wird es mir so deutlich, was sich hier unterscheidet, zu dem, was ich in Deutschland habe. Mit meinen Freunden, mit meiner Familie. Mit dem vertrauten Umfeld, in dem ich leben kann, wie ich bin. Ja, wirklich, das tiefe Vertrauen, die Sicherheit, die Natuerlichkeit, die ersteres mitsichbringt. Das fehlt mir hier. Ja, es ist im Aufbau, es braucht Zeit, klar. Und ja, fuer meine zwei Monate habe ich mir schon ein Umfeld geschaffen, in dem ich mich wohl fuehlen kann. Das gilt es sich immer wieder vors Auge zu fuehren, und das ist nicht immer leicht.

 

Samstag

Jetzt lese ich, was ich vor zwei Tagen geschrieben habe, und fuehle mich wie in einer anderen Welt. Es haengt so unheimlich von der Einstellung ab, mit der man die Zeit hier verbringt.

So sehe ich heute all dies, was jetzt im Aufbau ist, all dies, was neu ist und noch nicht vertraut, als meine Chance. Als die Moeglichkeit, das Beste daraus zu machen. Als Herausforderung, kennenzulernen, was moeglich ist. Als Abenteuer! Und es sind die selben Dinge, die ich so sehe, wie die, die ich vorgestern mit mueden Augen gesehen habe. Mit Augen, die zurueckblickten, zu dem, was sie in Deutschland gelassen haben. Die sich nicht begeistern konnten, fuer diese Herausforderung, weil sie sich in der Geborgenheit, die sie von ihrer Heimat kennen, ausruhen wollten.

Ja, wenn ich es so schreibe, merke ich, dass es das im Grunde ist. Dass es im grobgefassten diese zwei Einstellungen gibt, mit denen ich hier mein Leben angehen kann. Und ich glaube, ich muss akzeptieren, dass es diese mueden Tage gibt. Und sind es zwei in zwei Monaten bin ich sehr zufrieden! 🙂

Ui, jetzt hat sich dieser Artikel ueber die ganze vergangene Woche hingezogen und ich denke es ist an der Zeit, ihn mal zu Ende zu bringen. Ich hoffe, es war nicht verwirrend, dass ich in verschiedenen Etappen geschrieben habe, und wurde nicht langweilig.

Ich schicke die herzlichsten Gruesse in meine geliebte Heimat und hoffe ihr seid alle guten Gemuets! 🙂

Eure Leoni

Hallo aus dem Norden

Hey! Die Zeit fliegt nur so und nach vier Wochen gibt´s mal einen neuen Blog aus dem schrecklich verregneten Finnland..es ist toll, hier zu sein und ich habe das Gefühl, dass ich in  den letzten Wochen hier schon viel erlebt habe. Darunter die Helsinki Night of Arts, ein Treffen mit den Austauschschülern aus der Helsinkiregion, ein Krabbenessen draußen im Garten  mit allen Nachbarn, und natürlich den Schulalltag…Ich hoffe mal, dass dieser Eintrag jetzt nicht schrecklich durcheinander wird, also mal alles der Reihe nach (:

Meine Kurse sind echt gut, meine absoluten Lieblingsfächer sind Englisch und Französisch, weil die Lehrerin da kein finnisch redet und ich mag Mathe (unglaublich, aber wahr) auch echt gern, weil ich da das meiste  verstehe. Deutsch ist sehr cool, ich bin echt beeindruckt, wie gut die Leute in dem Kurs schon sind und mittlerweile verstehe  ich jeden, der über die schrecklich schwere deutsche Grammatik schimpft. Heute hab ich eine Präsentation über München gemacht… Nächstes Jakso werde ich einen einfacheren Deutschkurs haben, der mir vielleicht hilft, ein bisschen mehr Finnisch zu lernen.

Toll am finnischen Kurssystem ist, dass man nicht immer nur mit einer bestimmten Klasse zusammen ist und zwischen den Stunden viele Leute kennenlernen kann.

Das erste was ich dann fast immer gefragt werde ist, warum um Himmels willen ich nach Finnland gekommen bin 🙂

Essen gibt es dann um 11, es ist für alle gratis und meistens echt gut. Heute hab ich zum ersten Mal die typisch finnische Erbsensuppe probiert, und danach gab es Pfannkuchen (die sehr anders als deutsche schmecken, aber genial sind).

Neben der Schule, die meistens bis halb drei geht, gehe ich einmal die Woche mit meiner Gastschwester tanzen und einmal die Woche woanders allein. Außerdem hat diese Woche mein Finnischkurs angefangen! Er ist zweimal die Woche mit ca. zwanzig Leuten von überall aus der Welt und insgesamt sind wir sechs Austauschschüler.  Ja überhaupt, finnisch…langsam fange ich an, ein kleines bisschen mehr zu verstehen, das heißt, ich höre manchmal Wörter, die ich kenne und dann rate ich, worum es grade geht. Es ist ziemlich anstrengend, den ganzen Tag eine fremde Sprache zu hören, aber jedes Mal, wenn ich nur irgendwas verstehen kann  freue ich mich total.

 

Am Wochenende war ich jetzt schon öfter in Helsinki,  einer wunderschönen Stadt mit Hafen,  voll schönen alten Häusern und  einer tollen Atmosphäre.

Es ist so toll, dass man als  Austauschschüler Leute von der ganzen Welt kennenlernt, oder Leute, die in ihrem Austauschjahr in den verschiedensten Ländern waren und ich habe so oft so interessante Gespräche und ich hab irgendwie das Gefühl, meine Perspektive auf Deutschland ändert sich auch.

Jetzt werde ich erst mal mein Wochenende (natürlich mit Sauna;)) genießen und mich ausruhen und dann freu ich mich schon auf nächstes Wochenende:  Da ist dann nämlich ein Sprachkurs für alle YFUler in Finnland und es wird sicher sehr cool, alle wiederzusehen und ausführlich zu quatschen.

Terveisiä Luisa!

 

Chilenisch

Es ist Sonntag und ein Tag voll von Nichtstun. Es heisst Ausruhen von der letzten Woche und fuer die naechste, die von wenig Schlaf gepraegt sein wird. Fuer die nachsten beiden Wochen habe ich mich ein einem Cueca-Kurs eingeschrieben (chilenischer Nationaltanz), um mich fuer den Nationalfeiertag vorzubeireiten. Zwei Wochen ist es noch hin bis zum 18. September und schon jetzt sieht man in allen Richtungen nur noch Blau, Weiss und Rot. Ich bin schon gespannt und etwas aufgeregt wie es sein wird, dieses Fest. Auf jeden Fall etwas ganz Fremdes.

Meine letzte Woche ist mit einer Entspanntheit vergangen, wie ich sie bisher noch nicht kannte. Ich schaffe es langsam, mich ab und an zurueckzulehnen, mich nicht staendig bemueht darauf zu konzentrieren, mich bestmoeglich zu integrieren. Ich weiss mittlerweile, dass ich von meinen Kameraden geschaetzt, gemocht werde, dass ich in absehbarer Zeit ein Teil von allen sein werde.

Langsam pendelt sich hier mein neuer Alltag ein, in dem ich am Wochenende bis nach Mittag schlafe, nie aufs Rad steige und mein Haar immer offen trage. Dinge, die ich mir Deutschland so nicht vorstellen koennte (nun gut, ersteres schon.. ). Hier aber bin Ich das. Im Allgemeinen spuere ich, sobald ich Kontakt zu Deutschland pflege, wie ich in ein eine andere Leoni schluepfe. Anderen Umgang habe mit meinen Maedels dort als mit meinen anderen Maedels hier. Ebenso merke ich auch an mir selbst, wie hier die Unterschiede zwischen weiblicher und maennlicher Rolle viel ausgepraegter sind, als wie ich sie von Deutschland kenne. In Deutschland war ich viel weniger darauf bedacht “fraulich” zu sein und ehe ich mich versah, benehme ich mich hier, wie alle Maedchen, sehr viel femininer.

Ich fuehl mich sehr wohl, als diese andere Leoni. Die Leoni ohne Zopf, die endlich den Bruder hat, den sie sich ein Stueck weit immer schon gewuenscht hatte.

In diesen Tagen (mittlerweile hat die Woche schon begonnen) fuehle ich mich sehr zufrieden. Angekommen und gluecklich. Ich bin viel geschaeftigt und freue mich gerade, einfach mal die deutsche Schreibhand fliessen zu lassen. Und gleichzeitig ist das, was mir gut tut: Beschaeftigt sein.

Ich habe hier wieder angefangen Volleyball zu spielen und hatte am Wochenende zwei Spiele. Gestern habe ich gelernt, den traditionellen Tanz Chiles zu Tanzen und hatte dabei sehr viel Spass. Gleich werde ich mich aufmachen, um meine erste Flamenco-Stunde mit maennlichem Lehrer zu absolvieren und bin schon recht gespannt.

Ich moechte meinen naechsten Artikel mit mehr Ausfuehrlichkeit schreiben und mir mehr Ruhe dafuer nehmen.

Fuers Erste sollt Ihr aber alle ganz lieb gegruesst sein von mir! Ich hoffe es geht Euch gut in Deutschland, das ich schon zu vermissen begonnen habe.

Alles alles Liebe von mir,

Leoni

 

100 Mückenstiche, 8 Saunagänge, 5 Sternschnuppen -> 2 Wochen später

Ich bin jetzt schon seit 2 Wochen hier in Estland, und vieles fühlt sich irgendwie gewohnt an! Meine Familie ist super nett und gibt mir wirklich das Gefühl, ein fester Teil zu sein. Wenn ich hier morgens aufwache, fühlt es sich nicht komisch, sondern „normal“ und richtig an. Genauso geht es mir, wenn meine Familienmitglieder mich mit „Tere hommikust!“ begrüßen, ich beim Essenmachen helfe oder wir gemeinsam irgendwohin fahren.

Doch erstmal möchte ich erzählen, was ich bis jetzt hier gemacht und erlebt habe:

Von Dienstag (16.08.) bis Samstag (20.08.) hatte ich beim Arrival Camp, welches YFU Eesti für alle nach Estland kommende AustauschschülerInnen veranstaltet hat, u.a. die Möglichkeit ‘die anderen’ kennen zu lernen. Insgesamt sind wir 29 Leute, davon sind 15 aus Deutschland. Die anderen kommen aus Österreich, der Schweiz, Belgien, Moldawien, Thailand, Mexiko, Chile und Australien. Außerdem standen Sprachunterricht, Workshops über das Land und die Leute und verschiedene Spiele auf dem Plan. Abends bin ich mit vielen anderen immer in die Sauna gegangen und wir konnten uns ‘The Singing Revolution’ angucken, ein Film über die estnische Unabhängigkeitsbewegung.

Während des Camps hatte ich das Gefühl, noch ein Stück besser vorbereitet zu werden, die Vorfreude wurde mit jedem Tag noch größer und ich konnte es kaum erwarten, meine Familie dann endlich persönlich kennen zu lernen. Zur Begrüßung wurde ich von allen lange und herzlich gedrückt und ich konnte merken, dass auch sie ein bisschen aufgeregt waren. Wir hatten zwar schon Bilder ausgetauscht und Mails geschrieben, aber dann wirklich vor der Familie zu stehen, mit der ich das nächste Jahr leben werde, ist noch ein ganz anderes und spannendes Gefühl!

Auf dem Weg von Tallinn (also von dem Ort, wo das Camp war, der etwas außerhalb von Tallinn liegt) nach ‘hause’, zeigte mir meine Familie noch einige Sehenswürdigkeiten. So z.B. …, das sind bis zu 15m hohe Steine, die durch die Eisschmelze hierhin getragen wurden und nun im flachen Wald ‘liegen’.

Heli und Helje tanzen beiden in Jõgeva (die nächste Stadt von unserem Haus aus) in einer Tanzgruppe. Letzte Woche fand eine Tanzcamp der Gruppen statt, an dem ich auch teilnehme durfte. Auf dem Programm standen Modern Dance und jede von uns hat einen kleinen Film gedreht. Abends sind wir in die Sauna gegangen. Ich hatte beim Camp sehr viel Spaß und konnte schon einige nette Leute von meiner Schule, dem Jõgeva Gümnaasium, kennen lernen. Und ich habe so schon ein erstes Hobby hier gefunden 🙂

Letztes Wochenende war ich mit Heli und ihren KlassenkameradInnen am Peipsi-See. Das ist der große See zwischen Estland und Russland und zählt zu den 5. größten Seen in Europa. Viele Esten besitzen ein Ferien außerhalb der Stadt, und so wurden wir dahin eingeladen und konnten ca. 20 Meter vom Wasser zelten. Besonderes die Augustnächte hier sind sehr sternenreich und ich habe bestimmt noch nie so viele Sterne gesehen! Sogar die Milchstraße konnten ich erkennen und einige Sternschnuppen beobachten 🙂

Am Montag war ich in Tartu mit meinen Schwestern und issi (meinem Vater). Auch wenn ich noch nicht sehr viel von der Stadt gesehen habe, fande ich sie sehr schön!

Außerdem war ich schon mit meiner Familie und meiner vanaema (Großmutter) Sanddorn pflücken. Meine Familie macht das jedes Jahr, stellt Marmelade daraus her, friert viel ein und hat somit den ganzen Winter was davon.

Im Garten haben wir ebenfalls ganz viel Gemüse angebaut: Gurken, Tomaten, Paprika, Äpfel, Möhren, Zucchini, und ganz viele verschiedene Beeren, diverse Kräuter etc. Wir essen sehr viel von dem Selbst-gepflanzten und ich kann einfach in den Garten gehen, mir eine Gurke, eine Tomate oder einen Apfel nehmen. Es wird außerdem viel eingekocht oder eben eingefroren. Letztes Wochenende haben wir das z.B. mit den Pflaumen gemacht.

Gemeinsame Mahlzeiten sind für meine Familie nicht so wichtig. Jetzt in den Ferien mussten meine Eltern arbeiten und Heli, Helje und ich sind meistens zu unterschiedlichen Zeiten aufgestanden, da haben wir eh nicht zusammen gefrühstückt. Mittags hat dann jemand Essen gemacht, und mal haben wir zusammen gegessen, mal alleine. Beim Abendessen helfen normalerweise alle irgendwie mit. Meistens essen wir zeitgleich in der Küche oder im Wohnzimmer und gucken Fernseh. Wenn dann aber jemand lieber in der Küche anstatt im Wohnzimmer zu essen, ist das völlig okay.

Eine Familientradition ist es aber, jeden Sonntag in die eigene Sauna zu gehen. Das freut mich natürlich 🙂

Estnisch kann ich natürlich noch nicht fließend sprechen. Meistens muss ich noch aufs Englische zurückgreifen. Alle nehmen darauf Rücksicht und ich versuche, soviel Estnisch wie möglich zu sprechen. Meine Familie und die Leute, mit denen ich jetzt schon unterwegs war, sind auch ganz motiviert, mir neue Sachen beizubringen. Ich lerne jeden Tag etwas neues dazu. Bei den ‘besonderen’ Laute brauche ich noch ein bisschen Zeit, bis die komplett sitzen, aber auch hier macht die Übung die Meisterin. Die ‘besonderen’ Laute sind u.a. das „õ“ (wie das ausgesprochen wird, kann ich leider nicht wirklich aufschreiben, es ist aber ein bisschen so wie ein ö, bei dem man grinst), das „ä“ (das wird nämlich nicht so wie im Deutschen ausgesprochen, sondern noch etwas mehr wie ein „e“, was aber auch irgendwie tiefer klingt als normal. Dafür werden im Estnisch viel mehr Fremdwörter so geschrieben, wie sie ausgesprochen werden: kräm, süstem, oder auch gümnaasium. Und es gibt einige ähnlich Wörter, die mir das Erlernen erleichtern: trepp und Treppe; klaas und Glas; saun und Sauna; kurk und Gurk, um ein paar zu nennen.

So, das war’s erstmal. Gleich gibt es Abendessen und morgen beginnt endlich die Schule. Ich bin schon sehr gespannt, wie das so wird. Ich habe schon viel gehört über meine Schule und das Schulleben, ich kenne zwar einige Leute und bei Facebook wurde ich zur Gruppe von meiner Klasse hinzugefügt, doch grade dieses halbe Wissen über das alles, lässt mich noch gespannter warten. 🙂

Liebe Grüße,

Maarie

PS: an die vielen Mücken habe ich mich schon fast gewöhnt 😉