Schule in Norwegen

Meine erste Schulwoche ist vorbei, auch hier in Norwegen ist jetzt Wochenende. Kaum zu glauben.

Eigentlich hatte ich keine Lust in die Schule zu gehen, aber weil mir nach einer Woche ohne gleichaltrige Leute dermaßen langweilig war, hab ich mich trotzdem gefreut.  Ich bin in einer Klasse mit 8 anderen Schülern und wir sind das Musikprofil 11. Klasse. Meine Schule hat 400 Schüler die morgens zum Teil eine Stunde Anfahrtszeit haben. Ich werde um 07:10 Uhr vom Schulbus abgeholt.

In der ersten Woche haben wir noch keinen normalen Unterricht gehabt. Wir haben organisatorische Sachen gemacht, haben zu einigen Fächern Einführungen von den Fachlehrern bekommen und hatten mit den Musikprofilen 12. und 13. Klasse zusammen einen Workshop. Da haben wir ein Lied arrangiert und haben außerdem gelernt Polka und Salsa zu tanzen. Das ganze haben wir dann am Freitag auf dem “Hauskonzert” vorgeführt.  Das Hauskonzert gibt es wohl öfters, da führt unser ganzes Profil dann was auf. Ansonsten ist zur Schule in Norwegen noch zu sagen, dass es den Schülern hier sehr gut geht. Das Schulgebäude ist riesig und designt bis in die t Ecke. Überall gibt es diese elektronischen Tafeln, am Eingang sind automatische Schiebetüren, jeder Schüler hat einen Laptop und ein Schließfach und so weiter. Am Mittwoch war den ganzen Tag so ein Wettbewerb wo alle Klassen gegeneinander angetreten sind. Man musste durch die Umgebung gehen zu Stationen und Aufgaben erledigen. In der Umgebung sind überall Berge die wir rauf und runter klettern mussten, deswegen hatte ich am nächsten Tag Muskelkater.

Nächste Woche geht dann der normale Unterricht los. Mein Stundenplan ist sehr auf Musik, Tanz und Theater orientiert. Man bekommt Einzelunterricht in seinem Hauptinstrument, das ist bei mir Klavier und zusätzlich habe ich noch Gruppenunterricht in Gitarre und Gesang. Wir haben dann auch noch Fächer wie “Hören” und “Zusammenspiel” und Chor und noch mehr. Ich bin auf jeden mal gespannt und dann schauen wir mal.

Viele Grüße, Rune

unvorstellbar

Nun ist das zur Realitaet geworden, was ich mir im Vorherein immer so wenig habe vorstellen koennen. Wie oft habe ich in Deutschland versucht, mir auszumalen, wie ein Alltag fuer mich in Chile aussehen wuerde. Viel habe ich mir erzaehlen lassen, vom hiesigen Leben, der Mentalitaet der Menschen und Chile ueberhaupt. Und doch hat meine Vorstellungskraft nie ausgereicht, mich in dieses Leben hineinzufuehlen. Diese voellig andere, komplett fremde Umgebung, als die, an die ich durch mein ganzes Leben gewoehnt war, hat meine Fantasie nie fassen koennen. Und so bin ich im Unwissen aufgebrochen, wenn ich mich auch im  theoretischen Sinne weitestgehend vorbereitet hatte.

Nun ist hier meine vierte Schulwoche angelaufen und ist so ein Stueck weit zum neuen Alltag geworden. Ich habe eine zweite Familie, in deren Alltag, in deren Haushalt ich mich eingegliedert habe. In der Schule lerne ich meine Mitmenschen mit jedem Tag besser kennen, waehrend ich auf immer neue Namen, immer neue Gesichter treffe.
Voll und auf  bin ich damit beschaeftigt, mich anzupassen, einzugliedern, mich zu gewoehnen.

Von Tag zu Tag begegnen mir mehr, erkenne ich neue Unterschiede, in der mir immer weniger fremden Kultur.

Und von Woche zu Woche geniesse ich das Schulleben mehr, da ich merkliche Fortschritte im Sprachgebrauch mache und mehr und mehr Teil der Klassengemeinschaft werde.

Was hier zunehmend waechst, ist mein Interesse fuer Geschichte. Sowohl die Geschichte unseres Volkes als vielmehr die des chilenischen. So ist mir beispielsweise passiert, dass mir im Gespraech mit zwei sehr gern gemochten Klassenkameraden von den Meinungsunterschieden der chilenischen Bevoelkerung bezueglich Pinochets erzaehlt wurde. Und eben diese Klassenkameraden berichten mir, dass sie die Aera Pinochets gutheissen, man muesse sich dochmal die wirtschaftliche Entwicklung des Landes auf Grund dessen anschauen. Auch mit meinen Gasteltern habe ich darueber gesprochen, und sie bestaetigten mir, dass tatsaechlich ein unheimlich grosser Bruchteil in diese Richtung denkt, wenn auch nicht sie. Ich denke, dass wir als Deutsche unheimlich sensibilisiert sind fuer geschichtliche Epochen wie die Pinochets und ich von daher aus Deutschland nur die strikt ablehnende Meinung kenne.

Auch die Konfrontation mit der deutschen Geschichte bleibt hier nicht aus. Mitschueler freuen sich, wenn sie ein deutsches Wort sagen koennen, sei es der Hitlergruss. Mir vergeht in diesen Situationen das Lachen und sie bringen mich dazu, mich damit auseinander zusetzen, was durch eine solche Konfrontation mit meiner Herkunft in mir vorgeht. Das ist ein so schoenes Beispiel dafuer, dass man oft erst aus der Ferne ueber etwas zu lernen beginnt, in dem man immer gelebt hat.

Ich bin grad jederzeit vollauf beschaeftigt und sehr gluecklich damit! Ich habe mich dem Volleyball-Team meiner Schule angeschlossen und spiele einmal die Woche Tischtennis nach der Schule. Ausserdem gehe ich zum lateinamerikanischen Tanzen, eine Gruppe mit supernetten Maedels. Beschaeftigt bin ich gerade noch damit, mir Flamenco-Unterricht zu organisieren, denn davon gibt es mehrere Angebote in meiner Stadt und dieser Tanz ist mittlerweile zu meiner Leidenschaft geworden!

Am Wochenende war ich mit meinen neuen sozialen Kontakten beschaeftigt, und bin auf zwei Geburstagen eingeladen gewesen. Eines der Dinge, an die es sich zu gewoehnen gilt, ist die Art, wie die Chilenen tanzen, die doch ganz anders ist, als die, die ich von Deutschland gewoehnt bin. Auch darin spiegelt sich wieder, wieviel naeher man sich hier doch ist, als im “kalten” Deutschland.

Am Freitag habe ich auch zum ersten Mal meine liebste neue Freundin Gabi mit nachhause gebracht. Es ist hier sehr wichtig, die Freunde den Eltern vorzustellen, sowie bei den anderen Eltern ein gutes Bild abzugeben. Es war superschoen, sie hier zu haben und ich war ganz stolz und auch aufgeregt. Zwei Tage spaeter dann war ich bei einer anderen Freundin Jenny zuhause, um ihr mit Englich behilflich zu sein, und habe wiedereinmal gespuert, was Familie hier fuer eine andere Rolle einnimmt. Den halben Nachmittag haben wir alle beisammen gesessen, bis wir uns irgendwann aufgerafft haben, Englisch  zu praktizieren, was hier so schlecht ist, dass ich im Kontrast sogar jetzt ein sehr gutes Englisch spreche, auch wenn ich das Gefuehl habe, durch das Spanisch meine anderen Sprachkenntisse zu verlieren.

Zudem habe ich Ende letzter Woche begonnen, die simplen Dinge, die mir bewusst durch den Kopf gehen, auf Spanisch zu denken zu versuchen. Dadurch bin ich auch fuer mich staendig mit meinem Woerterbuch beschaeftigt, komme aber garnicht mehr aus dem Spanisch raus! Es klappt super und die Fortschritte, die ich mache, machen mich beizeiten stolz!

Als Jugendlicher freut man sich hier auf die Schule und auch ich habe sehr grossen Spass daran, abgesehen vom fruehen Aufstehen. Wenn ich motiviert bin, verstehe ich den Unterricht sehr gut, doch bisher habe ich mich erst in wenigen Faechern dazu aufraffen koennen. Am meisten zu schaffen machen mir da die Namen, denn durch die vielen ausserschulischen Aktivitaeten, die ich ausprobiert habe, habe ich sehr viele Leute kennengelernt, kann aber einfach keinen neuen Namen mehr in meinem Kopfe aufnehmen!

Am Wochenende wird hier ein grosses Familienfest stattfinden, weil meine Gastmama Geburtstag feiert. Noch mehr Namen! Aber vielleicht reichen da, wie auch in der Schule fuer alle Lehrer, Onkel und Tante. Ich freu mich sehr darauf, die Familie kennenzulernen und vorallem auch, dass meine Schwester wieder aus Santiago zu Besuch kommt! Darueberhinaus auch auf das Essen, mit dessen Vorbereitung meine Gastmama schon jetzt staendig beschaeftigt ist.. Auch wenn ich schon ohne Fest in meinem heute einmonatigen Aufenthalt in dieser Familie noch keine zwei Male dasselbe zu Mittag gegessen habe… Meine Mama ist wirklich eine Goettin in der Kueche!
Auch ich habe am Samstag mal meine Backkuenste erprobt und mit dem Brotrezept meiner echten Mama meine ganze Familie hier begeistert!

Fuer heute will ich meinen Bericht zu Ende bringen; Es ist immer dasselbe, beginn ich einmal zu schreiben, kann ich so schnell nicht mehr aufhoeren. Es ist schoen, hier habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht, mit meinen Erfahrungen Buch zufuehren; wodurch ich mein deutsch nicht verlerne und sich immer wieder alles ordnen laesst.

Ich hoffe es geht Euch allen gut, und ihr geniesst den wohl gerade so warmen Sommer! Frueh genug werde ich Euch von dem Fruehling hier erzaehlen, waehrend ihr friert, wie ich gerade 🙂

Also, ganz viele und liebe und herzliche Gruesse ueber den Pazifik,
Alles Liebe,
Leoni

 

Auf dem Weg nach Estland

So, da sitze ich nun endlich im Flugzeug, Flug Nr. 882 von Frankfurt nach Tallinn. Es ist Dienstag, der 16.August, 15 Uhr und ich habe schon eine Autofahrt von Dortmund nach Düsseldorf und einen weiteren Flug von dort nach Frankfurt hinter mir. Doch so richtig begriffen, dass ich jetzt ein Jahr in Estland leben werde, habe ich trotzdem noch nicht. Ich denke, das wird frühesten passieren, wenn ich in meine Familie gekommen bin und mich etwas eingelebt habe. Die kleinen Momente, in denen ich vor Glück, Vorfreude, Aufregung, Begeisterung, etc. schreiend in die Luft springen könnte, die ich seit meiner Zusage im Januar regelmäßig habe, genieße ich aber natürlich auf meinem Weg des Begreifens.

Beim Verabschieden heute morgen hatte ich schon ein komisches Gefühl. Die Menschen, die ich sonst tagtäglich sehe, die ich eigentlich seit meiner Geburt kenne und mit denen ich so viel erlebt habe für ein Jahr nicht mehr zu sehen und hier hinter mir zu lassen, das alles war schon ein komisches Gefühl. Ein ähnliches Gefühl hatte ich bei meiner Abschiedsfeier letzten Mittwoch. Es war schön, so viele Menschen, die mir wichtig sind, ein letztes Mal zu sehen. Für ein Jahr. Und ein Jahr ist andererseits gar nicht so lange. Wenn ich mir überlege, was ich vor einem Jahr gemacht habe und wie schnell diese Zeit vergangen ist, finde ich das teilweise schon erschreckend. Doch ein Jahr kann auch viel verändern, und das nächste Jahr wird vor allem mich verändern.

Wenn in gleich um 17.45 Uhr Ortszeit in Tallinn lande (Estland befindet sich nämlich in einer anderen Zeitzone und ist den Mitteleuropäern eine Stunde voraus), werde ich nicht direkt in meine Gastfamilie kommen, sondern erst ein vier-tägiges Arrival Camp mit allen YFU-AustauschülerInnen, die ein Jahr in Estland verbringen, haben. Hier werden wir nochmals auf unser Jahr in einer fremden Kultur vorbereitet, bekommen eine Einführung in die estnische Sprache und die VBT-Inhalte (Vorbereitungstagung, die ich im Mai eine Woche lang hatte) werden aufgefrischt. Danach werde ich dann am 20.August von meiner Gastfamilie wahrscheinlich abgeholt. Dieser Tag ist übrigens der estnische Unabhängigkeitstag und ich werde sehen, ob und wie meine Familie diesen Tag feiert.

Zu meiner Familie gehören meine Gasteltern … und Ain, die auch emme ja isse (estnisch für Mama und Papa 😉 nennen darf, meine 19-jährigen Gastschwester Heli, die selber ein Jahr in Texas verbracht hat, meine 17-jährigen Gastschwester Hille, die dieses Schuljahr in Belgien verbringen wird, meine 15-jährigen Gastschwester Heljie und eine Katze namens …. . Wir wohnen in einem sehr kleinen Dorf namens Painküla mit um die 30 (!!) EinwohnerInnen. Ob man Painküla überhaupt Dorf nennen kann oder ob es nur eine Ansammlung von Häusern ist, muss ich noch herausfinden 😉 Auf jeden Fall bin ich sehr gespannt wie das Leben außerhalb einer Großstadt, fernab von Hochhäusern, öffentlichem Nahverkehrsmitteln, Geschäften und (Straßen-) Lärm, dafür umgeben von Wald und Natur so sein wird.

So langsam nähern wir uns Tallinn und alle Passagiere müssen während des Landens die elektronischen abschalten. Über meine ersten Eindrücke aus Estland werde ich in den nächsten Tagen berichten. Bis dahin wünsche ich alles Gute 🙂

Schon 14 Tage in Suomi…

Hei! Nach einer halben Ewigkeit gibt es Neuigkeiten!

Ich sitze grade in meinem finnischen Zimmer mit Blick auf viele finnische Bäume 😉 aber vielleicht sollte ich mal lieber von vorne anfangen…

Am Flughafen hab ich mich vor dem Securitybereich von meiner Familie verabschiedet und dann bin ich nach Frankfurt geflogen. Da hab ich dann die anderen YFUler in blaugrünen T-shirts getroffen, teils welche von meiner Vorbereitungstagung, teils welche, die ich noch nicht kannte, und mit ihnen auf den Anschlussflieger nach Helsinki gewartet.

Der Flug war total okay (ich war ziemlich aufgeregt, hatte aber einen Fensterplatz) , danach sind wir mit Leuten von YFU Finnland nach Anjalankoski gefahren, was an einem wunderschönen See mit lauter Bäumen drumrum liegt, der eigentlich ein Fluss ist, und ich hatte jedenfalls irgendwie das Gefühl, dass es da sehr typisch finnisch aussieht 😉

Wir waren in kleinen roten Holzhäusern mit je einem Wohnzimmer und sechs Schlafzimmern untergebracht und  haben viel Programm  gehabt, also zweimal Finnischkurs und Workshops und wir haben zum Beispiel Sachen über das finnische Schulsystem gelernt.  Wir haben ziemlich viel gegessen und es war einfach nur total cool, sich mit allen möglichen netten  Leuten von praktisch überall auf der Welt her zu unterhalten und es war eine total tolle Atmosphäre, weil alle so das gleiche Oh-mein-Gott-jetzt-bin-ich-echt-in-Finnland-Gefühl hatten^^Am Freitagabend sind wir noch in die Sauna gegangen und haben danach  gegrillt, es hat voll Spaß gemacht.

Am Samstag wurden wir alle von unseren Gastfamilien abgeholt… nach herzlicher Begrüßung mit meiner, die aus Gastvater, Gastmutter, gleichaltriger Gastschwester und älterem Gastbruder besteht, der aber zurzeit ein Jahr  in der finnischen Armee ist, habe ich erstmal noch Kaffee getrunken und dann sind wir nach Espoo gefahren. Das Haus und mein Zimmer sind sehr gemütlich mit  schönem Garten und mein Gastopa und meine Gastoma sowie mein Gastonkel und seine Familie wohnen gleich  rechts und links daneben.

Bisher bin ich schon einmal mit meiner Gastfamilie und meinem Gastopa im finnischen Golf segeln gewesen, bin über den Markt in Helsinki geschlendert,  hab finnische Korvapuusti gebacken, mich in meinem Zimmer eingerichtet und sogar schon  finnische Wörter gelernt (die meisten haben was mit Essen zu tun ^^)

Heute war schon mein zweiter Schultag und ich hab gestern meine Fächer gewählt! Im nächsten Jakso (das finnische Schuljahr ist in fünf Zeiträume, Jaksos eingeteilt, in denen man jedesmal einen neuen Stundenplan und neue Kurse hat) hab ich Englisch, Französisch, Deutsch (wird sicher lustig und interessant), Mathe, Sport und Kunst. Jetzt kann  ich noch gar nicht soviel über die Schule erzählen, außer dass sie sehr schön und modern ist, und irgendwie eine gute Atmosphäre herrscht, aber in den nächsten Wochen werde ich sicher mehr darüber schreiben können!

Genießt den Sommer!